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Forschung

Forschung in der sexualmedizinischen Abteilung

Sexualität und Partnerschaft ist ein Lebensbereich, der sowohl für die Fortpflanzung als auch für unser seelisches Wohlbefinden von großer Bedeutung ist. Störungen von sexuellen Reaktionen oder Verhaltensweisen können entsprechend schwerwiegende Folgen haben. Leider gibt es zahlreiche sexuelle Störungen und deren Ursachen sind teilweise noch völlig unverstanden.

Hintergrund

Unterschiede in der Fortpflanzungskapazität zwischen Männern und Frauen bewirken geschlechtstypische Unterschiede zwischen der männlichen und weiblichen Sexualität in dem Sinne, dass Frauen in ihrer Sexualität eher kognitiv kontrolliert und bindungsbezogen sind und Männer im Vergleich zu Frauen, allgemein einen stärkeren, weniger kognitiv kontrollierten und eher bindungslosen Sexualtrieb haben (1). Diese biologischen Prädispositionen interagieren mit sozialen Faktoren (z. B. das zahlenmäßige Geschlechterverhältnis in einer Gesellschaft, oder das sozio-kulturelle Geschlechterverhältnis (2). Durch dieses Zusammenwirken biologischer und kultureller Faktoren können geschlechtstypische Probleme beim Auftreten von (a) sexuellen Funktionsstörungen, (b) bei Konflikten zwischen den Geschlechtern und (c) bei Problemen innerhalb von Partnerschaften häufig beobachtet werden.

Bezüglich (a) sexueller Funktionsstörungen finden sich entsprechend bei Frauen häufiger Probleme in Form von vermindertem sexuellem Interesse, verminderter sexueller Erregung, Orgasmusstörungen, oder Schmerzen und Krämpfen beim Geschlechtsverkehr. Männer hingegen sind anfälliger für Probleme durch ein „zuviel an Sex“, wie vorzeitigem Samenerguss oder Hypersexualität. Bezüglich (b) der Konflikte zwischen den Geschlechtern ergeben sich aus der kognitiv weniger kontrollierten und bindungsärmeren Sexualität der Männer, dass diese anfälliger für Störungen des Werbungsverhaltens (Exhibitionismus, Voyeurismus, Frotteurismus, Raptophilie) und objekt-bezogene Paraphilien, wie Pädophilie oder Fetischismus sind (3). Frauen dagegen erleben zyklus-assoziierte Veränderungen ihrer sexuellen Präferenzen (4) wodurch einige Frauen außerpartnerschaftlichen Geschlechtsverkehr während der Ovulationsphase suchen, was ebenfalls zu Konflikten zwischen den Geschlechtern führen kann. Partnerschaftsprobleme können sowohl durch (a) sexuelle Funktionsstörungen und (b) sexuelle Konflikte ausgelöst werden. Es ist daher nicht überraschend, dass sexuelle Probleme in Deutschland der häufigste Grund von Trennungen sind (5).

Alte und neue Herausforderungen der Sexualwissenschaft

Obwohl die hier angesprochenen Probleme evolutionspsychologisch vergleichsweise gut erklärbar sind (6), ist bisher nicht bekannt, warum einige Menschen anfälliger für sexuelle Funktionsstörungen oder problematisches Sexualverhalten sind als andere. Neuere sexuelle Problemfelder in unserer Gesellschaft, wie das Aufeinandertreffen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturräumen, in denen sie durch unterschiedliche Geschlechtsrollenbilder geprägt wurden (Stichwort: Migration und Sexualität), oder das verstärkte Auftreten von zunehmend jüngeren Menschen, die körpermedizinische Veränderungen ihrer Geschlechtsmerkmale anstreben (Stichwort: Transsexualismus (7)), schaffen neue Probleme in der Gesellschaft und stellen neue Herausforderungen für die Sexualforschung dar. In unserem Institut werden verschiedene Forschungsprojekte durchgeführt, welche die Ursachen solcher Probleme und Störungen aufklären sollen. Dieses Wissen kann helfen, sexuelle Konflikte besser zu verstehen, sexuellen Störungen vorzubeugen und Therapiemethoden zu verbessern.

Aktuelle Forschungsprojekte

  • Zur Ätiologie der Pädophilie: Prüfung der Kindchenschema-Hypothese anhand von hirnelektrischen Potentialen, Reaktionszeiten und endokrinologischen Parametern (8)
  • Neurobiologie des Körperbildes bei Mann-zu-Frau-Transsexualismus
  • Sexualpsychologische Aspekte der weiblichen Brustentwicklung
  • Sexual-Ökonomie: Implizite sexuelle Austauschprozesse in Partnerschaften
  • Forschungsbereich Sexualität und Migration:
    - Sexual Overperception-Bias bei muslimischen und nicht-muslimischen Männern
    - Teilprojekt Eifersucht bei muslimischen und nicht-muslimischen Männern
    - Sexuelle Übergriffigkeit bei muslimischen und nicht-muslimischen Männern
    - Fremdenfeindlichkeit und intrasexuelle Konkurrenz

Literatur

  1. Trivers RL (1972): Parental investment and sexual selection. In: Campell B, editor. Sexual selection and the descent of man: 1871-1971. Chicago: Aldine, pp 136-179.
  2. Schmitt DP (2005): Sociosexuality from Argentina to Zimbabwe: a 48-nation study of sex, culture, and strategies of human mating. Behav Brain Sci. 28:247-275; discussion 275-311.
  3. Freund K, Blanchard R (1986): The concept of courtship disorder. J Sex Marital Ther. 12:79-92.
  4. Larson CM, Haselton MG, Gildersleeve KA, Pillsworth EG (2013): Changes in women's feelings about their romantic relationships across the ovulatory cycle. Horm Behav. 63:128-135.
  5. Schindler L, Hahlweg K, Revenstorf D (1998): Partnerschaftsprobleme: Diagnose und Therapie: Therapiemanual Berlin: Springer.
  6. Buss DM (2008): Evolutionary Psychology: The New Science of the Mind. 3rd ed. Boston: Pearson Education, Inc.
  7. Ponseti J, Stirn A. Wie viele Geschlechter gibt es und kann man sie wechseln? Z Sex-Forsch 2019; 32: 131-147
  8. Ponseti J, Bruhn D, Nolting J et al. Decoding Pedophilia: Increased Anterior Insula Response to Infant Animal Pictures. Frontiers in human neuroscience 2018; 11: 645