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Therapieverfahren

Inhalt

In diesem Kapitel können Sie sich über Therapieverfahren, die an unserer Klinik angewendet werden, informieren.


1. Psychotherapeutische Verfahren

Zu den psychotherapeutischen Verfahren gehören die im Folgenden beschriebene Interpersonelle Therapie (IPT) der Depression in Einzel- und Gruppenbehandlung, die Psychoedukation bei Depression (siehe unter Schwerpunkt Depression), die Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) der Borderline-Störung in Einzel- und Gruppenbehandlung (siehe unter Schwerpunkt Borderline), die psychotherapeutische und psychoedukative Behandlung der Psychose (siehe unter Schwerpunkt Psychose) und der Suchterkrankungen (siehe unter Schwerpunkt Sucht). Weitere Verfahren sind die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, das Selbstsicherheitstraining und Autogenes Training.

 

Die Interpersonelle Psychotherapie (IPT)

Historischer Abriß

Depressionen stellen eine der häufigsten Erkrankungen im psychiatrischen Fachgebiet dar, und so bilden depressiv Erkrankte traditionell eine der zahlenmäßig umfangreichsten Patientengruppen in Psychiatrischen Kliniken. Während bis Mitte des 20. Jahrhunderts neben unspezifischen Behandlungsformen wie Insulinapplikation oder Elektrokrampfanwendungen spezifische Interventionen und vor allem wirksame Medikamente zur Therapie von Depressionen nicht bekannt waren, stehen seit ca. 1960 antidepressiv wirksame Psychopharmaka zur Verfügung. Die psychotherapeutische Behandlung der Depressionen war einerseits lange geprägt von psychoanalytischen Einflüssen, andererseits bestimmt von pragmatischen Erfordernissen des psychiatrischen Alltags, so dass vor allem stützend-strukturierende Vorgehensweisen dominierten. Spezifische Psychotherapieformen für Depressionen wurden mit der kognitiven Verhaltenstherapie und der interpersonellen Psychotherapie erst seit ca. 1970 entwickelt - ohne sich allerdings fest im Alltag psychiatrischer Kliniken zu etablieren.

Obwohl der psychotherapeutische Begleitung von depressiven Patienten in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der C.A.U. immer eine entscheidende Bedeutung zugekommen war, hatte sich ein einheitliches Konzept zur Psychotherapie von Depressionen bis 1995 nicht herausgebildet. Erst mit der Amtsübernahme von Professor Aldenhoff im Juni 1995 wurde die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) eingeführt und gilt hier seither als psychotherapeutische Methode der Wahl bei Depressiven.

 

Was ist Interpersonelle Psychotherapie (IPT)?

Die IPT wurde in den USA etwa 1975 ursprünglich im Rahmen eines Forschungsprojektes zur ambulanten Behandlung von depressiven Patienten entwickelt und von Klerman und Weissman 1984 als Therapiemanual veröffentlicht. Das störungsspezifische Interpersonelle Therapiekonzept versteht sich nicht als neue Therapierichtung oder -schule, sondern vereint in sich bereits als effektiv bekannte psychotherapeutische Techniken und Strategien zur Behandlung depressiver Störungen und ähnelt der Behandlungspraxis erfahrener Psychiater. Die IPT nimmt theoretische Grundannahmen der interpersonellen Schule von Meyers und Sullivan auf, verwertet Erkenntnisse der Bindungstheorie von Bowlby und bezieht die therapeutische Beziehung als wichtiges Therapieagens ein, ohne spezifisch darauf zu fokussieren. Gleichzeitig stellt die IPT eine der wenigen empirisch überprüften Psychotherapieformen dar, die die Kriterien einer modernen schulenübergreifende Allgemeinen Psychotherapie im Sinne Grawes mit den Wirkfaktoren Problemaktualisierung, Förderung der Einsicht, Ressourcenaktivierung und Problembewältigung erfüllt.

Folgende Merkmale sind für die IPT charakteristisch: Es handelt sich um eine Kurzzeittherapie mit 12 - 20 Einzelsitzungen, in denen thematisch auf einen von vier interpersonellen Problembereichen (Trauer, Rollenkonflikt, interpersoneller Konflikt, soziale Defizite) fokussiert wird. Dieser zwischenmenschliche Problembereich soll im Zusammenhang mit der Depression stehen, ohne dass eine Kausalität hergestellt würde. Vielmehr wird ein multifaktorielles Entstehungsmodell zugrunde gelegt, das neben der psychotherapeutischen Arbeit am zwischenmenschlichen Problem auch eine gleichzeitige pharmakotherapeutische Behandlung zuläßt. Die Wirksamkeit der IPT ist für die Akutbehandlung der Depression und auch im Langzeitverlauf in mehren Studien gut belegt.

In Deutschland wurde die IPT zuerst an der Universität Freiburg Ende der 80er Jahre eingeführt und an stationäre Bedingungen angepaßt. Seit 1996 liegt eine deutsche Übersetzung des Manuals vor (Elisabeth Schramm, Interpersonelle Psychotherapie, Schattauer Verlag).

 

IPT an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

1996 wurde der erste Ausbildungszyklus für IPT organisiert, dem 1997, 1998 und 1999 jeweils weitere Ausbildungsangebote folgten, so dass inzwischen die meisten ärztlichen und psychologischen Mitarbeiter IPT-Therapeuten sind.

Die gegenwärtige und zukünftige Bedeutung der IPT in unserer Klinik bezieht sich auf die drei klassischen universitären Aufgabenbereiche Krankenversorgung, Lehre und Ausbildung sowie Wissenschaft und Forschung.

 

Krankenversorgung

Jedem depressiven Patienten kann inzwischen das Angebot einer IPT als alleinige Therapie der Depression oder in Ergänzung zu einer modernen antidepressiven Pharmakotherapie gemacht werden. Dabei sieht das praktische Vorgehen vor, dass die IPT im Rahmen der stationären Behandlung begonnen und nach der Entlassung fortgesetzt wird. Als effektive Kurzeittherapie, mit manualisiert-standardisierter Vorgehensweise, ständiger Möglichkeit zur therapiebegleitender Supervision und mit der Vernetzung der stationären Therapie und ambulanter Weiterversorgung werden durch die IPT sowohl ökonomische als auch qualitätssichernde Bedürfnisse erfüllt.

In Ergänzung zu der individuellen Einzel-IPT wird in Kürze ein Gruppenkonzept der IPT etabliert, das sich an ein (noch unveröffentlichtes) Manual der Freiburger Arbeitsgruppe um E. Schramm anlehnt, aber für die Kieler Verhältnisse modifiziert wird. Mit dem Gruppenangebot dürfte es gelingen, originär zwischenmenschliche Problembereiche noch ziel- und handlungsorientierter zu bearbeiten.

 

Ausbildung

Im Jahre 2000 war es möglich, erstmals einen Ausbildungszyklus ohne externe Ausbilder anzubieten. Seither findet jedes Jahr ein Kurs zur Ausbildung von IPT-Therapeuten statt. Bereits seit 1998 war das Ausbildungsangebot nicht nur auf klinikinterne Mitarbeiter beschränkt geblieben, sondern hatte sich auch interessierten Kollegen in eigner Praxis und umliegender Kliniken geöffnet. Die Ausbildungen bestehen aus seminarartigen Wochenend-Workshops, in denen sowohl theoretische Grundkenntnisse als auch grundlegende Praxisanleitungen vermittelt werden. In Ergänzung dazu werden regelmäßige, therapiebegleitende Supervisionen im Einzel- und Gruppensetting angeboten.

Eine gewisse Aufwertung erfährt die IPT jetzt auch in Schleswig-Holstein dadurch, dass die IPT von der Ärztekammer Schleswig-Holstein im Rahmen der Ausbildung zum Arzt für Psychotherapie und Psychotherapie vermutlich als Zweitverfahren Anerkennung findet - in anderen Bundesländern ist die IPT schon seit Jahren als Zweitverfahren akzeptiert.

 

Wissenschaft und Forschung

Die Effektivität der IPT als Einzelbehandlung ist in so zahlreichen Studien belegt, dass sich weitere Effizienzbelege erübrigen. Dagegen ist die Wirksamkeit von IPT als Gruppenbehandlung bisher nicht evaluiert, so dass für diesen Bereich Effektivitätsstudien sinnvoll und notwendig erscheinen. Denkbar wäre ein Design, dass die Wirksamkeit der Gruppentherapie allein, im Vergleich mit einer alleinigen Einzeltherapie und in Kombination von Einzel- und Gruppenbehandlung untersucht.

IPT als überprüftes und manualisiertes Verfahren ist zudem geeignet, psychotherapeutische Wirkfaktoren im Sinne der Psychotherapieprozeßforschung besser zu verstehen. Hier ist eine Zusammenarbeit mit Prof. Grawe und seiner Berner Arbeitsgruppe angedacht.

Die Klinik ist Mitglied einer Forschergruppe, der außerdem noch die Universitäten Aachen, Freiburg und Lübeck angehören. Ziel dieser Gruppe ist es, den Zusammenhang zwischen neurobiologischer Voraussetzungen bzw. Veränderungen und einer möglichen Wirksamkeit und Verlauf von Psychotherapie besser zu verstehen. Neben anderen Projekten soll in einer Multicenter-Studie für die IPT geklärt werden, ob es gelingt, anhand von neurobiologische Variablen als Prädiktoren den erfolgreichen Verlauf einer Psychotherapie vorherzusagen.

 

Progressive Muskelentspannung nach Jacobson

Um den zahlreichen Anforderungen des Alltags gewachsen zu sein, sind Phasen der Entspannung unverzichtbar. Ohne die Möglichkeit der Erholung können Beschwerden sowohl somatischer als auch psychischer Art begünstigt werden. Die Beherrschung eines Entspannungsverfahrens kann dazu beitragen, gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorzubeugen und die eigene Lebensqualität zu erhöhen.

Die progressive Muskelentspannung (PME) ist ein an der Muskulatur ansetzendes Verfahren, das 1929 erstmalig von Dr. Edmund Jacobson in den USA beschrieben wurde. Jacobson sah einen Zusammenhang zwischen muskulärer Anspannung und innerer Unruhe in Verbindung mit Streß. Gleichzeitig beobachtete er, daß eine Entspannung der Muskulatur mit einem Ruhegefühl in Verbindung steht. Jacobson entwickelte das Verfahren der PME zur willentlich steuerbaren Reduktion der vorhandenen Spannung.

Während der Durchführung der PME wechseln sich Phasen der An- und Entspannung ab. Es wird dabei die Wahrnehmung der Anspannung einzelner Muskelgruppen geschult. Das Prinzip der PME ist in der Wechselwirkung zwischen muskulärer und psychischer Spannung zu sehen: Durch die gezielte Verminderung der muskulären Anspannung während der Durchführung der PME wird eine psychische Entspannung erzeugt. Umgekehrt trägt eine psychische Entspannung zum Abbau muskulärer Anspannung bei.

Die PME ist ein bei regelmäßigem Üben gut zu erlernendes Verfahren, bei dem der Durchführende aktiv an der Entspannung beteiligt ist. Er erhält ein wirksames Training an die Hand, mit dem er sich jederzeit in einen Zustand der Entspannung und des Wohlbefindens hineinversetzen kann.

Auf den Stationen P1 und P5 wird die PME zweimal wöchentlich von geschultem Personal in der Gruppe durchgeführt.

 

Selbstsicherheitstraining

Hierbei handelt es sich um ein verhaltenstherapeutisch orientiertes Gruppentherapieverfahren, bei dem Patientin standardisierte oder auch individuelle Situationen, in denen sie bisher nur wenig oder gar keine Selbstsicherheit haben zeigen können, in Form von Rollenspielen einüben. Ziel ist es, möglichst realitätsnah selbstsicheres Verhalten in kleinen Schritten einzuüben und dann in den konkreten Alltag zu übertragen.

Inhaltlich lassen sich die Übungssituationen in drei Bereiche gliedern:

Persönliche Rechte erkennen und vertreten können (berechtigte Forderungen stellen und ablehnen können, berechtigte Kritik äußern und aushalten können)

Wünsche und Bitten angstfrei äußern können, angenehme und unangenehme Gefühle angemessen ausdrücken können (Beziehungen gestalten)

Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen können (Sympathie werben)

Während des Rollenspiels sind alle Patienten aufgefordert, auf den Inhalt des Gesagten, die Stimme, die Mimik (Gesichtsausdruck), die Gestik (Arm- und Handbewegungen) und die Körperhaltung zu achten, um dem Rollenspieler genauestens Rückmeldung darüber geben zu können, welche Selbstsicherheit ausdrückenden Verhaltensweisen er bereits gezeigt hat. Im Anschluss daran werden mögliche Veränderungsvorschläge in der Gruppe gesammelt und in einem erneuten Rollenspiel eingeübt.

Unterstützt werden die Patienten hierbei von 2 Therapeuten und einer Pflegefachkraft. Ebenso finden zur Unterstützung der Situationsanalysen Videoaufnahmen statt.


2. Unterstützende Verfahren

Darunter sind Therapieverfahren zusammengefaßt, die wesentlich zur Heilung beitragen können, wie die Wachtherapie oder die Lichttherapie, die bei Depression angewandt werden, und die Ergotherapie (siehe dort).

 

Wachtherapie

Die Wachtherapie ist ein einfach durchzuführendes therapeutisches Verfahren, das in der Kombination mit anderen Therapien (Entspannungsverfahren, medikamentöse Therapie, Psychotherapie, Ergotherapie) zu einer deutlichen Verbesserung von depressiven Symptomen beitragen kann.

Hierbei dürfen die Patienten am Vorabend der Wachtherapie von 20:00 bis 1:30 Uhr schlafen, dann werden sie geweckt. In den meisten Fällen kommt es am Tag nach einer durchwachten Nacht zu einer Stimmungsverbesserung, die bis zur nächsten Schlafphase anhält. Eine im Rahmen der stationären Behandlung regelmäßig (2 x wöchentlich) durchgeführte Wachtherapie kann auf diese Weise den Heilungsprozess unterstützen, zu einem besseren Wohlbefinden und zum Erfolg der Gesamttherapie beitragen.

Auf der Station P1 und P5 finden die Wachtherapien in der Regel in Gruppen statt. Um das Wachbleiben zu erleichtern, stehen Gesellschaftsspiele und ein Fernseher zur Verfügung. Auch können sich die Patienten in der Nacht gemeinsam ein Frühstück zubereiten. Wichtig ist es, am Folgetag bis 22:00 Uhr wach zu bleiben, da der stimmungsaufhellende Effekt der Wachtherapie schon durch ein kurzes Einnicken verloren gehen kann.

 

Lichttherapie

Ähnlich wie die Wachtherapie, ist auch die Lichttherapie ein einfach durchzuführendes und anerkanntes Verfahren, das, eingebettet in das therapeutische Programm der Stationen P1 und P5, zur Verbesserung einer depressiven Symptomatik beitragen kann.

Während der Lichttherapie, die über mindestens zwei Wochen für täglich 30 Minuten erfolgt, sitzen die Patienten im Abstand von ca. 60-80 cm vor dem Lichttherapiegerät (10.000 Lux). Es ist nicht notwendig, die ganze Zeit in das Licht hineinzuschauen, so dass die Patienten während der Sitzungen einer Beschäftigung, wie z.B. Lesen oder Handarbeiten, nachgehen können. In der Regel treten keine Nebenwirkungen auf.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass es bei ca. 60-70% der Patienten durch die Anwendung der Lichttherapie zu einer Besserung der Befindlichkeit kommt.


3. Körperorientierte Verfahren

Eine wichtige Rolle bei der Behandlung psychiatrischer Erkrankungen spielen auch körperorientierte Therapieverfahren, bei denen eine körperliche Wellness und Fitness herbeigeführt werden sollen. Diese wirken sich wiederum positiv auf die psychische Verfassung aus. Dabei handelt es sich speziell um Sporttherapie, Physiotherapie, Körperzentrierte Bewegungstherapie, Atementspannungstherapie, Bewegungsbad, Physikalische Therapie und Lymphdrainage. Eine ausführliche Beschreibung siehe unter Physiotherapie.