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Startseite > Historische Entwicklung des Instituts

Die historische Entwickling des ISFP am UKSH

Das Institut für Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie & Psychotherapie ist im Oktober 2013 unter der Leitung von Frau Prof. Dr. med. Aglaja Valentina Stirn und Herrn Prof. Dr. med. Christian Huchzermeier nach längerer, zum Teil öffentlich geführter Diskussion gegründet worden. Mit dieser Neugründung war einerseits das Ziel verbunden, die Sexualmedizin zu stärken. Dazu wurde Frau Prof. Dr. med. Aglaja Valentina Strin berufen. Andererseits sollte der Forensischen Psychiatrie als wichtige Subdisziplin der Psychiatrie zu mehr Eigenständigkeit verholfen werden.

 

Der gemeinsame Arbeitsbereich von Forensischer Psychiatrie und Sexualmedizin umfasst vor allem die Beschreibung, die Beurteilung und die Behandlung abweichenden Sexualverhaltens. Dabei werden in der interdisziplinären Zusammenarbeit sexualmedizinische, psychiatrische und psychologische Aspekte, aber auch gesellschaftliche Konventionen und strafrechtliche Normen beachtet und für den Einzelfall bewertet.

Die Sexualmedizin und die Forensische Psychiatrie haben sich in Kiel bis zu ihrer Zusammenführung in ein gemeinsames Institut ganz unterschiedlich entwickelt:

Zur Geschichte der Sexualmedizin in der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

1973 wurde am Institut für Gerichtliche und Soziale Medizin der Universität Kiel die „Sexualmedizinische Forschungs- und Beratungsstelle“ als eine nicht-selbstständige Einrichtung gegründet. Der damaligen Aufbruchstimmung, welche auch zur Reform des Sexualstrafrechts unter der Devise „Heilen statt Strafen“ führte, war die Gründung der Kieler Sexualmedizin ebenso zu verdanken, wie der konkreten Unterstützung durch den Kieler Rechtsmediziner und Institutsleiter Wilhelm Hallermann. Die Sexualmedizinische Forschungs- und Beratungsstelle wurde bis 1997 von Reinhard Wille geleitet, welcher bereits 1968 seine Habilitation zu einer forensisch-sexualmedizinischen Thematik vorgelegt hatte. Neben seiner Tätigkeit als Gerichtsgutachter und Therapeut bei Sexualdelinquenz, Transsexualität oder sexuellen Funktionsstörungen beschäftigte er sich intensiv mit Fragen zur AIDS-Prävention.

Nachfolgend wurde die Sexualmedizinische Forschungs- und Beratungsstelle von Hartmut Bosinski geleitet, welcher seine Habilitationsschrift in seiner Zeit als Assistent bei Reinhard Wille vorgelegt hat. Die bereits durch Reinhard Wille eingeführten Themenschwerpunkte wurden unter der Leitung von Hartmut Bosinski weiter ausdifferenziert. Die sexualmedizinische Behandlung inhaftierter Sexualstraftäter wurde – finanziert mit Mitteln des Justizministeriums des Landes Schleswig-Holstein – zu einem wichtigen Angebot dieser Abteilung.

Im Jahr 2007 wurde die Sexualmedizinische Forschungs- und Beratungsstelle zur Sektion für Sexualmedizin umgewandelt. Ebenfalls mit finanziellen Mitteln des Justizministeriums wurde 2008 ein Projekt zur Prävention pädophil motivierten Kindesmissbrauchs in der Sektion für Sexualmedizin ins Leben gerufen. Ein Projekt, welches zwei Jahre zuvor von dem „Wille-Schüler“ und Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin an der Charité in Berlin, Klaus Beier, ins Leben gerufen worden war. Neben den klassischen sexualmedizinischen Forschungsmethoden öffnete sich die Kieler Sexualmedizin in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts zunehmend psychophysiologischen und neurowissenschaftlichen Methoden. In dieser Zeit wurde ein Labor zur Messung hirnelektrischer und genitaler Reaktionen bei Männern und Frauen (EEG, Phallometrie und Vagino-Plethysmographie) eingerichtet sowie verschiedene Magnetresonanzuntersuchungen (MRT) in Zusammenarbeit mit dem Neurozentrum des UK-SH durchgeführt.

Nach einer öffentlichen Diskussion über die Zukunft der Kieler Sexualmedizin wurde seitens der der Landesregierung und der CAU, die Stärkung des Faches beschlossen. Dazu wurde Frau Prof. Dr. med. Aglaja Valentina Stirn als Professorin für Sexualmedizin berufen. In diesem Sinne wurde im WS 2012/13 für Studierende der Medizin und der Psychologie ein Zertifikatsstudium „Sexualmedizin“ eingerichtet sowie die Gründung eines Institutes für Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie und Psychotherapie beschlossen.

Zur Geschichte der Forensische Psychiatrie & Psychotherapie

Die forensisch-psychiatrischen Tätigkeiten der Universitätsnervenklinik und in deren Nachfolge der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie haben sich lange nur auf die Begutachtung beschränkt. Dabei genießen Namen wie Störring, Boeters, Wendlandt und Schimmelpenning allerdings bis heute einen überregionalen Ruf in psychiatrischen Fachkreisen.

Es war jedoch Prof. Josef Aldenhoff, Ordinarius der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie von 1995-2012, vorbehalten, der Forensischen Psychiatrie in seiner Klinik einen größeren Stellenwert zu geben. Denn er beauftragte seinen damaligen Oberarzt und späteren Stellvertreter Dr. Huchzermeier ab 1998 mit der Gründung des Schwerpunkts Forensik, um den forensisch-psychiatrischen Arbeitsbereichs zu re-strukturieren bzw. neu aufzubauen.

In den Folgejahren ist einerseits eine große Gutachtenabteilung entstanden. Andererseits sind Behandlungsangebote für psychisch auffällige oder gestörte Straftäter entwickelt und stetig ausgebaut worden:

  • Nachdem im Januar 1998 das Gesetz zur Verhütung von Sexualstraftaten und anderen schweren Gewaltdelikten in Kraft getreten war, wurde in der JVA Neumünster ab August 1999 ein multimodales Behandlungsprogramm zur intramuralen Psychotherapie von Gewaltstraftätern aufgebaut und stetig weiterentwickelt. Ab 2008 wurde das in der JVA Neumünster entwickelte Behandlungsprogramm für Gewaltstraftäter auch in der JVA Kiel angeboten. Seit 2012 übernahm der Schwerpunkt Forensik die intramurale Psychotherapie von Sexualstraftätern und von jungen Gewalt- und Sexualstraftätern in der JVA Neumünster.
  • Zudem wurden spezielle ambulante Angebote für Straftäter entwickelt, die zunächst nur als Drittmittelprojekte umgesetzt werden konnten:
    • EU-Projekt (ESF-Förderperiode:2007-2013) zur berufliche Integration/ Reintegration von straffällig gewordenen Jugendlichen und Jungerwachsenen in Kooperation mit Beschäftigung + Bildung e.V., Hamburg und Jugend-hilft-Jugend e.V, Hamburg
    • EU-Projekt (EIF- Förderperiode 2007 -2013): Ambulantes Therapieprogramm für Gewaltstraftäter mit Migrationshintergrund
    • ab 2012 gingen die EU- Projekte in eine Spezialambulanz für Antisoziale Persönlichkeiten über, die in die Psychiatrische Institutsambulanz (damalige Leitung: Dr. Huchzermeier) der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie integriert war.
    • Im Februar 2013 wurde die Spezialambulanz für antisoziale Persönlichkeiten am ZIP vom Ministerium für Justiz, Kultur und Europa SH zur Forensischen Fachambulanz im Landgerichtsbezirk Kiel ernannt.

Während es stets möglich gewesen ist, den therapeutischen Bereich der Forensischen Psychiatrie auszuweiten und ökonomisch zu gestalten, ist es nicht gelungen, die forensisch-psychiatrische Forschung so auszustatten, dass größer und langfristig angelegte wissenschaftliche Projekte hätten fester Bestandteil des Schwerpunkts Forensik werden können. Insoweit ist mit der Neugründung des Instituts für Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie & Psychotherapie auch die Hoffnung verbunden gewesen, eine stetige Unterstützung forensisch-psychiatrischer Forschung und Lehre durch die medizinische Fakultät der CAU zu Kiel zu erhalten.