Der Browser den Sie verwenden ist sehr alt.

Wir können daher nicht sicherstellen, dass jede Funktion (Gestaltung, Bilder und zusätzliche Funktionen) dieser Internetseite im vollen Umfang zur Verfügung steht. Bitte nutzen Sie eine aktuellere Browserversion.
Wir bitten um Ihr Verständnis.
Startseite > Forschung

Forschung

Studienteilnehmer gesucht

Forschung in der sexualmedizinischen Abteilung

Sexualität und Partnerschaft ist ein Lebensbereich der sowohl für unsere Fortpflanzung als auch für unser seelisches Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung ist. Störungen von sexuellen Reaktionen oder Verhaltensweisen haben entsprechend schwerwiegende Folgen für unsere Fortpflanzungsfähigkeit und für unser seelisches Wohl. Leider gibt es zahlreiche sexuelle Störungen und deren Ursachen sind teilweise noch völlig unverstanden. In unserem Institut werden Forschungsprojekte durchgeführt, welche die Ursachen sexueller Störungen aufklären sollen. Dieses Wissen kann helfen, sexuellen Störungen vorzubeugen und Therapiemethoden zu verbessern.

Zum Seitenanfang


Hintergrund

Unterschiede in der Fortpflanzungskapazität zwischen Männern und Frauen bewirken geschlechtstypische Unterschiede zwischen der männlichen und weiblichen Sexualität in dem Sinne, dass Frauen in ihrer Sexualität eher kontrolliert und bindungsbezogen sind und Männer im Vergleich zu Frauen, allgemein einen stärkeren, weniger kontrollierten und eher bindungslosen Sexualtrieb haben (1). Obwohl diese biologisch vorgegebenen Prädispositionen durch soziale Faktoren beeinflusst werden (z. B. durch das zahlenmäßige Geschlechterverhältnis und durch das gesellschaftliche Geschlechterverhältnis (2)), können geschlechtstypische Probleme beim Auftreten von (a) sexuellen Funktionsstörungen, (b) bei Konflikten zwischen den Geschlechtern und (c) bei Problemen innerhalb von Partnerschaften häufig beobachtet werden.

Bezüglich (a) sexueller Funktionsstörungen finden sich entsprechend bei Frauen häufiger Probleme in Form von vermindertem sexuellem Interesse, verminderter sexueller Erregung, Orgasmusstörungen, oder Schmerzen und Krämpfen beim Geschlechtsverkehr. Männer hingegen sind anfälliger für Probleme durch ein „zuviel an Sex“, wie vorzeitigem Samenerguss oder Hypersexualität. Bezüglich (b) der Konflikte zwischen den Geschlechtern ergeben sich aus der weniger kontrollierten und bindungsärmeren Sexualität der Männer, dass diese anfälliger für Störungen des Werbungsverhaltens sind (Exhibitionismus, Voyeurismus, Frotteurismus, Raptophilie) (3). Frauen dagegen erleben zyklus-assoziierte Veränderungen ihrer sexuellen Präferenzen (4) wodurch einige Frauen außerpartnerschaftlichen Geschlechtsverkehr während der Ovulationsphase suchen, was ebenfalls zu Konflikten zwischen den Geschlechtern führen kann. Partnerschaftsprobleme können sowohl durch (a) sexuelle Funktionsstörungen und (b) sexuelle Konflikte ausgelöst werden. Es ist daher nicht überraschend, dass sexuelle Probleme in Deutschland der häufigste Grund von Trennungen sind (5).

Obwohl die hier beschriebenen und letztlich evolutionär bedingten Probleme theoretisch gut erklärt sind und durch eine Fülle empirischer Studien belegt sind (6), ist bisher nicht bekannt, warum einige Menschen anfälliger für sexuelle Funktionsstörungen oder problematisches Sexualverhalten sind als andere.

Zum Seitenanfang


Der Beitrag der Neurowissenschaft

Mittels neurowissenschaftlicher Bildgebung (insb. mittels des Magnet-Resonanz-Tomographen, MRT) wurden in den letzten 15 Jahren zahlreiche Studien durchgeführt, die deutliche gemacht haben, in welchen Hirnarealen sexuelle Reize verarbeitet werden (7). Üblicherweise wurden den Probanden bei diesen Experimenten sexuelle Bilder gezeigt, während der MRT deren Hirnaktivität aufzeichnete. Diese Experimente haben das Wissen über die Verarbeitungswege, die ein wahrgenommener sexueller Reiz im Gehirn durchläuft, erheblich verbessert und gleichermaßen auch konkreten Nutzen für die klinische Praxis gebracht. So konnten in einer jüngeren Untersuchung Wissenschaftler unseres Institutes erstmals zeigen, dass anhand der mit der MRT gemessenen Hirnaktivität die Pädophilie vergleichsweise zuverlässig diagnostiziert werden kann (8) (Abbildung 1). Allerdings sind die Kernfragen hinsichtlich der Pädophilie und des sexuellen Kindesmissbrauchs noch unbeantwortet: Warum gibt es pädophilie Männer? Warum gibt es (auch nicht-pädophile) Männer, die mit Kindern sexuelle Handlungen durchführen? Sind deren Gehirne verändert und könnte man sie heilen? Wie kann man pädophile Männer optimal behandeln, damit sie keinen sexuellen Kindesmissbrauch begehen? Diese und weitere Fragen werden gegenwärtig in einem groß angelegten Forschungsverbund untersucht, an dem auch unser Institut beteiligt ist [Projekt 1 und 2].

AktivierungskarteHirnareale, in denen es Aktivitätsunterschiede beim Betrachten von nackten Kindern im Vergleich zum Betrachten nackter Erwachsener zwischen pädophilen Männern und nicht-pädophilen Männern gibt.

(Für große Ansicht das Bild anklicken)

 

KlassifikationskarteHirnareale, in denen es Aktivitätsunterschiede beim Betrachten von nackten Kindern im Vergleich zum Betrachten nackter Erwachsener zwischen pädophilen Männern und nicht-pädophilen Männern gibt.

(Für große Ansicht das Bild anklicken)

 

Zum Seitenanfang


Die Verarbeitung sexueller Reize im Gehirn

Nach Erkenntnissen der neurowissenschaftlichen Sexualforschung wird ein (sexueller) Reiz, wenn er vom Gehirn wahrgenommen wird, einer automatischen und unbewussten Analyse (Abgleich von Gedächtnisinhalten) hinsichtlich seiner sexuellen Bedeutung unterzogen (7, 9). Im positiven Fall führt das zu einer Aufmerksamkeitsfokussierung und zu subjektiver und genitaler Erregung (10). Mit Hinblick auf die Evolutionspsychologie kann angenommen werden, dass diese „reiz-gesteuerte“ Analyse hinsichtlich des genetischen „Nutzens“ eines potentiellen Sexualpartners und hinsichtlich dessen motivationalen Zustandes erfolgt. Die sexuelle Attraktivität eines Menschen hängt aber nicht nur von seinem Aussehen (als Indikator des genetischen „Nutzens“), sondern auch von komplexen Merkmalen, wie der Bereitschaft und der Fähigkeit in den Nachwuchs zu investieren, ab (11). Nach unserer Vorstellung hängt die sexuelle Reaktion also von einem einfachen, „reiz-gesteuerten“ Bewertungsmechanismus und einem komplexeren, kontext-bezogenen Bewertungsmechanismus ab (Abbildung 2). In einer Reihe von Untersuchungen konnten wir den Einfluss komplexer psychosozialer Kontextinformationen mittels sogenannter Priming-Bilder auf die sexuelle Reaktion zeigen (12) (Abbildung 3). Neurowissenschaftlich formuliert könnte man sagen, dass „höher-kortikale“ Analysen zu psychosozialen und sozioökonomischen Merkmalen potentieller Sexualpartner die zentralnervöse Antwort auf reiz-gesteuerte (und eher biologisch prädisponierte) Verarbeitungsprozesse modulieren.

sexuelle ReizverarbeitungModell der sexuellen Reizverarbeitung. Erläuterungen im Text. Zum Vergrößern bitte anklicken!

(Für große Ansicht das Bild anklicken)

 

Wir vermuten, dass viele – noch unverstandene – Facetten der menschlichen Sexualität (wie z. B. sexuelle Aversionen, Bereitschaft zu Vergewaltigung oder die Bereitschaft, sich zu prostituieren) eher auf Besonderheiten in dem komplexen, kontext-bezogenen Bewertungs-Mechanismus beruhen und weniger in der „reiz-gesteuerten“ Verarbeitung. Dieses Modell könnte damit eine neue Grundlage für das Verständnis sexueller Störungen bilden. Tatsächlich haben wir in einer Reihe von Untersuchungen signifikante Unterschiede hinsichtlich des Einflusses komplexer Kontextinformationen auf die sexuelle Reaktion zwischen Frauen mit sexuellen Missbrauchserfahrungen, Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen und Frauen mit Prostitutionsbereitschaft einerseits und Frauen einer Kontrollgruppe andererseits gefunden [Projekt 3-5]. Gegenwärtig werden im Institut verschiedene Forschungsprojekte durchgeführt bzw. geplant, die den Einfluss komplexer, kontext-bezogener Bewertungsmechanismen bei weiteren Patientengruppen untersuchen, u. a. bei sexuell übergriffigen Männern [Projekt 6 und 7]. Unter Bezug auf evolutionspsychologische Studien, die eine Veränderung der Partnerpräferenzen im weiblichen Hormonzyklus gezeigt haben (4), vermuten wir, dass dieser Effekt mit einer zyklus-assoziierten Veränderung im Verhältnis zwischen reiz-gesteuerter und kontext-bezogener Reizverarbeitung einhergeht. Diese Fragestellung soll mittels einer MRT-Untersuchung geprüft werden [Projekt 8]. Entwicklungsgeschichtlich gehen die zyklusabhängigen Veränderungen weiblicher Partnerpräferenzen mutmaßlich auf den Übergang des Menschen von einem polygynen Paarungssystem in das monogame Paarungssystem zurück (13). Die polygyne Vergangenheit des Menschen beeinflusst seine gegenwärtige Sexualität in vielerlei Hinsicht. Inwiefern sich dies auch auf weibliche Eifersuchtsreaktionen auswirkt, ist Gegenstand einer weiteren Untersuchung [Projekt 9]. Ergebnisse dieser Studie könnten für paartherapeutische Behandlungen bedeutsam sein.

Priming-ParadigmaSchematische Darstellung des Priming-Experiments. Die Versuchspersonen geben nach Erscheinen des Zielbildes den Grad ihrer sexuellen Erregung an. Unterschiede der sexuellen Erregung zwischen den Priming-Bedingungen zeigen einen Einfluss der komplexen Priming-Bilder auf die sexuelle Reaktion an.

(Für große Ansicht das Bild anklicken)

 

Zum Seitenanfang


Projekt 1

NeMUP - Nord Neurobiologische Grundlagen von Pädophilie und sexuellen Missbrauchsverhalten gegen Kinder

Zusammenfassung

Der vom BMBF geförderte Forschungsverbund NeMUP-Nord (www.nemup.de) untersucht Mechanismen, die sexuellem Kindesmissbrauch und pädophiler Sexualpräferenz zu Grunde liegen können. Hierbei kommen bildgebende, psychometrische und physiologische Methoden zum Einsatz. Durch das spezielle Studiendesign soll in der dreijährigen Förderperiode beson-ders das Verständnis für die Unterscheidung von Sexualpräferenz und sexuellem Verhalten vertieft werden. Die Ergebnisse sollen in Entwicklung und Verbesserung von Therapie- und Präventionsstrategien eingesetzt werden. Der Forschungsverbund besteht aus insgesamt fünf Standorten.

Das Vorhaben am Standort im Kieler Institut für Sexualmedizin, forensische Psychiatrie und Psychotherapie ist die Verbesserung der diagnostischen Verfahren zur Beurteilung pädophiler Präferenzen bei Männern. Hierzu soll ein neues, auf funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) basierendes Diagnoseverfahren, welches in einer Voruntersuchung vielversprechende Ergebnisse lieferte, evaluiert und dessen Genauigkeit an einer möglichst großen Stichprobe von pädophilen und teleiophilen Menschen kritisch überprüft werden. Zudem soll diese Methode mit dem bisher zur objektiven Messung der sexuellen Orientierung verwendeten Instrument, der Penisplethysmographie, verglichen werden, wozu auch für die Penisplethysmographie zunächst eine ausreichend große Normstichprobe erhoben werden soll. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse sollen das Grundlagenverständnis erweitert sowie diagnostische Methoden evaluiert und verbessert werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit könnten bei ausreichendem Erfolg die Zuverlässigkeit der Therapieplanung bei der Behandlung sexueller Kindesmissbraucher bzw. pädophiler Männer erhöhen und damit Behandlungserfolge, im Sinne eines Lebens ohne sexuelle Übergriffe auf Kinder, steigern. Eine zuverlässigere Messung der sexuellen Präferenzen bei sexuellen Kindesmissbrauchern könnte darüber hinaus auch bei Prognosebeurteilungen hilfreich sein.

Die Standorte des Verbundes stellen ein Netzwerk von führenden medizinisch-psychologischen Forschungs- und Versorgungseinrichtungen sowohl für pädophile Männer als auch für Sexualstraftäter gegen Kinder dar. Die Zusammenarbeit von ambulant-klinischen Einrichtungen aus dem Präventionsnetzwerk Dunkelfeld (www.kein-taeter-werden.de ) und Einrichtungen des Straf- und Maßregelvollzugs stellt dabei eine weltweit einmalige Konstellation dar. 

Projektstatus

Datenauswertung

Kooperationspartner

Prof. Dr. Krüger (MH-Hannover), Prof. Dr. Schiffer (Universität Duisburg-Essen), PD Dr. Walter (Universitätsklinikum Magdeburg), Prof. Dr. Walter (Charite, HU-Berlin), Prof. Dr. Beier (Charite, HU-Berlin), Prof. Dr. van Eimeren (UKSH)

Ansprechpartner

Dipl.-Psych. Gerwinn
Dipl.-Psych. Pohl
PD Dr. Dipl.-Psych. Ponseti

Zum Seitenanfang


Projekt 2

Objektive Messung der sexuellen Orientierung mittels Viewing-Time-Verfahren

Zusammenfassung    

Mithilfe indirekter Messverfahren sollen Probleme wie sozial erwünschtes Antwortverhalten oder  Verfälschungstendenzen umgangen werden. Eines dieser indirekten Verfahren ist das Viewing-Time Paradigma (VT-Paradigma) (14). Bei diesem Verfahren werden verdeckt die Antwortlatenzen von Probanden beim Betrachten verschiedener Bildergruppen erfasst. Anhand der relativen Betrachtungszeiten kann die sexuelle Orientierung der Probanden vorhergesagt werden. Der psychologische Mechanismus, auf dem dieser sehr robuste Effekt basiert ist bisher noch umstritten. Während manche Autoren davon ausgehen, dass es sich um einen rein reizabhängigen Effekt handelt, glauben andere Autoren, dass es sich dabei um einen aufgabenbasierten Effekt handelt. Sollte es sich tatsächlich um einen aufgabenbasierten Effekt handeln, hätte dies unmittelbar praktische Relevanz. Während man bei einem reizabhängigen Effekt davon ausgehen kann, dass dieser relativ unwillkürlich abläuft und höchstens zu geringen Anteilen volitionaler Kontrolle unterliegt, kann davon ausgegangen werden, dass ein aufgabenbasiertet Effekt u.a. durch bewusste Täuschung leichter manipulierbar ist (15). Um die Ergebnisse und Hypothesen aus der Arbeitsgruppe von Imhoff et al. zu überprüfen, führen wir aktuell eine VT-Studie mit einem modifizierten Paradigma durch.

Projektstatus

Publikationsphase

Ansprechpartner

Dipl.-Psych. Pohl

Zum Seitenanfang


Projekt 3

Die Sexualität sexuell missbrauchter Frauen.

Zusammenfassung    

Bei einer Stichprobe von 44 sexuell missbrauchten Frauen und einer unbelasteten Vergleichsgruppe wurden deren sexuelles Erleben und ihr psychisches Befinden mittels von Fragebögen erhoben. Mit Hilfe des oben beschriebenen Priming-Experiments wurde die höher-kortikale Modulation der sexuellen Reizverarbeitung bei den missbrauchten Frauen untersucht.

Projektstatus

Publikationsphase

Ansprechpartner

PD Dr. Dipl.-Psych. Ponseti

Zum Seitenanfang


Projekt 4

Sexuelle Funktionsstörungen bei Frauen.
Zum Einfluss höher-kortikaler Modulation sexueller Reize bei Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen

Zusammenfassung    

Die zentralnervösen Ursachen sexueller Funktionsstörungen bei Frauen sind noch weitgehend unverstanden. Bei einer Stichprobe von 72 Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen (sexuelle Aversion, Appetenzstörung, Erregungsstörung, Vaginismus, Dyspareunie) und einer unbelasteten Vergleichsgruppe wurden deren sexuelles Erleben und ihr psychisches Befinden mittels von Fragebögen erhoben. Mit Hilfe des oben beschriebenen Priming-Experiments wurde die höher-kortikale Modulation der sexuellen Reizverarbeitung bei den Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen gemessen.

Projektstatus

Publikationsphase

Ansprechpartner

PD Dr. Dipl.-Psych. Ponseti

Zum Seitenanfang


Projekt 5

Prostitutionsbereitschaft: Evolutionäre Anpassung oder psychische Störung? Untersuchung zur psychischen Gesundheit und sexuellen Reizverarbeitung bei Frauen mit und ohne Prostitutionsbereitschaft.

Zusammenfassung

Bei einer Stichprobe von 232 Frauen wurden verschiedene Fragebogen zum Sexualverhalten, Prostitutionsbereitschaft und psychischer Gesundheit angewendet. Die Teilnehmerinnen absolvierten ferner das Priming-Experiment, bei dem der Einfluss verschiedener psychosozialer Kontexte (Ressourcen-Verfügbarkeit, Bindungsbereitschaft, Ekelerregende Reize) auf die subjektive sexuelle Reaktion gemessen wird.

Es zeigte sich, dass Frauen mit Prostitutionsbereitschaft psychisch nicht stärker belastet waren als Frauen ohne Prostitutionsbereitschaft. Die sexuelle Erregung wurde bei Frauen mit Prostitutionsbereitschaft jedoch stärker durch die An- oder Abwesenheit materieller Ressourcen moduliert.

Projektstatus

Publikationsphase

Ansprechpartner

PD Dr. Dipl.-Psych. Ponseti

Zum Seitenanfang


Projekt 6

Verarbeitung sexueller Reize bei potentiellen Vergewaltigern.

Zusammenfassung

Bei dieser Studie soll der Einfluss psychosozialer Kontextinformationen auf die Verarbeitung sexueller Reize bei sexuell übergriffigen Männern untersucht werden. Hintergrund ist, dass gegenwärtig nicht bekannt ist, ob und ggf. in welcher Weise sich die sexuelle Reizverarbeitung bei sexuell übergriffigen Männern von gesunden Männern unterscheidet. Besondere Beachtung gilt auch der Frage wie sich potentiell hemmende Kontextinformationen auf die subjektive sexuelle Reaktion sexuell übergriffiger Männer auswirken. Es wird erwartet, dass diese Studie wesentlich Erkenntnisse über die innerpsychischen Ursachen sexuell übergriffigen Verhaltens von Männern liefert.

Das Experiment soll, um genügend Probanden zu akquirieren, als Online-Version des Priming-Experiments durchgeführt werden. In einem vor dem Experiment zu beantwortenden Screening-Fragebogen wird u. a. die Bereitschaft zu sexuell übergriffigen Verhalten gegenüber Frauen erfragt. Auf Grundlage dieser Angaben erfolgt dann die Gruppenzuordnung bei der Auswertung.

Projektstatus

Datenerhebung

Ansprechpartner

Cand. Dipl.-Psych. de Oliveira
PD Dr. Dipl.-Psych. Ponseti

Zum Seitenanfang


Projekt 7

Untersuchung zum Ausschluss von Störvariablen: Hat eine „unspezifische Erregung“ Einfluss auf die subjektive sexuelle Erregung in einem Priming-Experiment?

Zusammenfassung    

Im oben beschriebenen Priming-Experiment wird der Einfluss unterschiedlicher (nicht-sexueller) Priming-Bilder auf einen nachfolgenden sexuellen Zielreiz untersucht. Unterschiede in der Reaktion auf den (invarianten) Zielreiz werden dabei auf die inhaltlichen Aspekte der Priming-Bilder zurück geführt. Denkbar ist jedoch auch, dass „unspezifische“ Stimulusaspekte (z. B. wie aktivierend die Priming-Bilder sind), einen Einfluss auf die sexuelle Erregung beim Betrachten des sexuellen Zielreizes haben. Um den Einfluss einer solchen potentiellen Störvariable abschätzen zu können, wir hier eine Kontrollstudie durchgeführt, bei der Priming-Bilder ohne Bedeutung für Paarungsverhalten, aber mit vergleichbaren emotionalen Valenzen, eingesetzt werden. Mittels einer vorausgehenden Rating-Studie wurde bereits Priming-Bilder selektiert, deren emotionale Valenzen mit denen der vorausgehenden Priming-Studien vergleichbar sind. Sofern die in den vorausgehenden Priming-Studien gefundenen Effekte nicht auf unspezifische Störvariablen zurückzuführen sind, sollten hier keine Priming-Effekte auftreten.

Projektstatus

Datenerhebung

Ansprechpartner

Cand. Dipl.-Psych. Dähnke
PD Dr. Dipl.-Psych. Ponseti

Zum Seitenanfang


Projekt 8

MRT-Studie zu Hirnstruktur, höher-kortikale und hormonelle Modulation der gesunden und dysfunktionalen weiblichen Sexualität

Zusammenfassung    

In dieser MRT-Studie sollen die zentralnervösen Korrelate der sexuellen Reizverarbeitung und ihre Modulation durch komplexe psychosoziale Priming-Bilder untersucht werden. Ferner soll erstmals untersucht werden, ob sich der Menstruationszyklus (1.) auf die höher-kortikale Modulation der sexuellen Reizverarbeitung und (2.) auf die Hirnanatomie auswirkt. Parallel sollen hirnanatomische Korrelate von sexueller Erregbarkeit und sexueller Hemmbarkeit charakterisiert werden.

Diese Analysen sollen bei gesunden Frauen sowie zwei klinisch relevanten, aber im Wesentlichen unverstandenen Gruppen (Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen und Frauen mit Prostitutionsbereitschaft) durchgeführt und verglichen werden. Aufgrund von Voruntersuchungen kann angenommen werden, dass sich diese Gruppen von Frauen insbesondere bei den höher-kortikalen Aspekten der sexuellen Reizverarbeitung unterscheiden.

Projektstatus

Auswertung Pilotstudie und Planungsphase

Kooperationspartner

Prof. Dr. van Eimeren (UKSH)

Ansprechpartner

PD Dr. Dipl.-Psych. Ponseti

Zum Seitenanfang


Projekt 9

Weibliche Eifersucht in Abhängigkeit des subjektiven Erscheinungsbildes des Mannes

Zusammenfassung    

Basierend auf der „Parental Investment Theory“ von Robert L. Trivers (1972) soll die genannte Diplomarbeit die emotionalen Reaktionen in Szenarien untersuchen, die Eifersucht auslösen könnten.

Nach der Parental Investment Theory ist das Geschlecht, das mehr Zeit und/oder Ressourcen in den Nachwuchs investiert, das wählerischere. Beim Menschen, ebenso wie bei allen anderen Säugetieren, ist dies das weibliche Geschlecht. Auswahlkriterien beziehen sich hierbei im Groben auf folgende zwei Dinge: a) Die „genetische Qualität“ des potentiellen Sexualpartners und b) der Umfang der von ihm kontrollierten Ressourcen und seine Bereitschaft, diese Ressourcen in den gemeinsamen Nachwuchs zu investieren. Während in polygynen Harmensgesellschaften der Steinzeit die genetischen Qualitäten (Körpergröße, Stärke, Ausdauer etc.) eines Mannes entscheidend für seinen Paarungserfolg gewesen sein dürften, wurde die Ressourcenübertragung im Zuge der Etablierung der Monogamie zunehmend bedeutsam für den männlichen Paarungserfolg. Attraktivitäts-Präferenzen aus dieser Zeit machen sich bis heute bemerkbar: In den fruchtbaren Tagen des Zyklus werden Männer mit maskulinen Gesichtszügen präferiert und solche Männer häufiger für außerpartnerschaftlichen Geschlechtsverkehr gewünscht (16).

Möglicherweise werden an hoch-maskuline Männer entsprechend mehr Erwartungen bzgl. ihres genetischen Nutzens und weniger  bzgl. eines verbindlichen Ressourcen-Transfers (treue und liebevolle Unterstützung etc.) gerichtet. Wir vermuten, dass diese einen Einfluss auf Eifersuchtsreaktionen haben kann. Um den evolutionspsychologischen Hintergrund von Eifersuchtsreaktionen besser zu verstehen und um paartherapeutische Empfehlungen ableiten zu können, werden verschiedene Eifersuchtsszenarien bei unterschiedlichen „Männer-Typen“ (hoch-maskulin versus hoch-kinderlieb) experimentell variiert und Eifersuchtsreaktionen der Versuchsteilnehmerinnen analysiert.

Projektstatus

Datenerhebung

Ansprechpartner

Cand. Dipl.-Psych. Wulff
PD Dr. Dipl.-Psych. Ponseti

Zum Seitenanfang


Projekt 10

Reaktion des autonomen Nervensystems im Fall von Zielkonflikten

Zusammenfassung

Das autonome Nervensystem (ANS) entzieht sich weitgehend der willkürlichen kognitiven Kontrolle. Daraus wird in der Literatur oft der weitergehende Schluss gezogen, dass das ANS ein Reflexsystem darstellt, das auf einen bestimmten Reiz mit einer fest programmierten Reaktion antwortet. In einer Pilotstudie am Psychologischen Institut der CAU konnte hingegen bei männlichen Versuchspersonen eine komplexe Interaktion zweier autonomer Reaktionen gezeigt werden, der Reaktion auf Essensreize und der Reaktion auf sexuelle Reize. Diese beiden Reizklassen appellieren an inkompatible Handlungsschemata: Essenseinnahme ist mit sexueller Aktivität im Allgemeinen unvereinbar. In diesem Experiment zeigte sich, dass bei gleichzeitiger Anwesenheit sexueller Reize die Reaktion des autonomen Nervensystems auf Essensreize unterblieb. Dies weist auf eine Regulationsleistung des ANS im Dienste eines zielgerichteten Handelns hin: Nur eine von zwei inkompatiblen Handlungen wird vorbereitet. Diese Studie soll nun repliziert und variiert und auf weibliche Versuchspersonen erweitert werden, um die Bedingungen der Entscheidung für die eine oder die andere Handlung genauer zu untersuchen und um mögliche evolutionstheoretische Deutungen zu überprüfen.

Projektstatus

Datenerhebung

Kooperationspartner

Institut für Psychologie, CAU Kiel, Abteilung Biologische Psychologie, Prof. Dr. Kernbach

Ansprechpartner

Dipl.-Biol. Börner
PD Dr. Dipl.-Psych. Ponseti

Zum Seitenanfang


Literatur

  1. Trivers RL (1972): Parental investment and sexual selection. In: Campell B, editor. Sexual selection and the descent of man: 1871-1971. Chicago: Aldine, pp 136-179.
  2. Schmitt DP (2005): Sociosexuality from Argentina to Zimbabwe: a 48-nation study of sex, culture, and strategies of human mating. Behav Brain Sci. 28:247-275; discussion 275-311.
  3. Freund K, Blanchard R (1986): The concept of courtship disorder. J Sex Marital Ther. 12:79-92.
  4. Larson CM, Haselton MG, Gildersleeve KA, Pillsworth EG (2013): Changes in women's feelings about their romantic relationships across the ovulatory cycle. Horm Behav. 63:128-135.
  5. Schindler L, Hahlweg K, Revenstorf D (1998): Partnerschaftsprobleme: Diagnose und Therapie: Therapiemanual Berlin: Springer.
  6. Buss DM (2008): Evolutionary Psychology: The New Science of the Mind. 3rd ed. Boston: Pearson Education, Inc.
  7. Stoleru S, Fonteille V, Cornelis C, Joyal C, Moulier V (2012): Functional neuroimaging studies of sexual arousal and orgasm in healthy men and women: a review and meta-analysis. Neuroscience and biobehavioral reviews. 36:1481-1509.
  8. Ponseti J, Granert O, Jansen O, Wolff S, Beier K, Neutze J, et al. (2012): Assessment of pedophilia using hemodynamic brain response to sexual stimuli. Arch Gen Psychiatry. 69:187-194.
  9. Janssen E, Everaerd W, Spiering M, Janssen J (2000): Automatic processes and the appraisal of sexual stimuli: Toward an information processing model of sexual arousal. Journal of Sex Research. 37:8-23.
  10. Ponseti J, Bosinski HA (2010): Subliminal Sexual Stimuli Facilitate Genital Response in Women. Archives of Sexual Behavior. 39:1073-1079.
  11. La Cerra M (1995): Evolved mate preferences in women: Psychological adaptations for assessing a man’s willingness to invest in offspring. Dissertation Abstracts International: Section B: the Sciences & Engineering. 55:4149.
  12. Ponseti J, Gerwinn H, Bosinski H (2012): Sexual response is facilitated by luxuriousness in women and in men. Poster presented at the 38th Annual Meeting of the International Academy of Sex Research,.
  13. Gangestad SW, Thornhill R (2008): Human oestrus. Proceedings Biological sciences / The Royal Society. 275:991-1000.
  14. Harris GT, Rice ME, Quinsey VL, Chaplin TC (1996): Viewing time as a measure of sexual interest among child molesters and normal heterosexual men. Behav Res Ther. 34:389-394.
  15. Imhoff R, Schmidt AF, Nordsiek U, Luzar C, Young AW, Banse R (2010): Viewing time effects revisited: prolonged response latencies for sexually attractive targets under restricted task conditions. Arch Sex Behav. 39:1275-1288.
  16. Pillsworth EG, Haselton MG (2006): Male sexual attractiveness predicts differential ovulatory shifts in female extra-pair attraction and male mate retention. Evolution and Human Behavior. 27:247-258.