Schwerpunkt Forensik
Die Tätigkeitsfelder der AG Forensik lassen sich derzeit in 4 verschiedene Teilbereiche untergliedern:
- Gutachtenwesen
- (Intramurale) Forensische Psychotherapie
- Wissenschaftliche Projekte
- Ausbildung und Lehre
Das Team:
Ärzte: PD Dr. C. Huchzermeier (Oberarzt, Forensische Psychiatrie (DGPPN), Schwerpunktbezeichnung
Forensische Psychiatrie der ÄK-SH),
PD
Dr. Hinrichs (Oberarzt, Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie)
Diplom-Psychologen: N. Godt, O. Völkers, I. Tikalsky
Kooperationspartner: PD Dr. Hinrichs (Oberarzt, Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie),
Dr. D.Köhler (Universität Hamburg)
Kontakt: Zentrale 0431 597 2681, E-Mail info.forensik@zip-kiel.de
Einleitung
Forensische Psychiatrie hat in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der CAU eine lange Tradition. Namen wie Hallermann, Störring und Boeters genießen in forensischen Fachkreisen bis heute einen sehr guten Ruf. Nach dem Tod von Prof. Boeters Anfang der 90iger Jahre trat indes eine gewisse Zäsur ein, in der das forensische Fachgebiet nicht nahtlos weiter verfolgt worden ist.
Seit 1999 besteht nun unter der Leitung von Dr. Huchzermeier an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie ein neuer Schwerpunkt Forensische Psychiatrie und Psychotherapie.
1. Gutachtenwesen
Es werden grundsätzlich Gutachtenaufträge für sämtliche straf-, zivil- sozial- und verwaltungsrechtrechtliche Fragestellungen übernommen. Als Schwerpunkte haben sich indes die Schuldfähigkeits- und Prognosebegutachtung von Gewalt- und Sexualstraftätern herauskristallisiert, die etwa 40% des gesamten Gutachtenaufkommens ausmachen. Die Anzahl der bearbeiteten Gutachten konnte seit 1999 deutlich gesteigert werden, so dass derzeit etwa 80 - 100 Gutachten pro Jahr für verschiedene Auftraggeber erstellt werden.
2. Intramurale Forensische Psychotherapie
Im Januar 1998 trat das Gesetz zur Verhütung von Sexualstraftaten und anderen schweren Gewaltdelikten in Kraft. Das Gesetz sieht einerseits eine Verschärfung der Strafandrohung für die genannten Delikte und erschwerte Voraussetzungen für eine vorzeitige Entlassung aus der Strafhaft vor. Andererseits stärkt dieses Gesetz die Forensische Psychotherapie, indem es dazu auffordert, therapeutische Angebote für Straftäter als Beitrag zum Opferschutz zu intensivieren oder erstmalig zu etablieren.
Vor diesem Hintergrund wurde in Kooperation mit der Justizvollzugsanstalt Neumünster und dem Justizministerium Schleswig Holstein seit August 1999 ein multimodales Behandlungsprogramm zur Psychotherapie von Gewaltstraftätern aufgebaut und stetig weiterentwickelt.
Rahmenbedingungen
Die JVA Neumünster besteht aus einer Abteilung mit Untersuchungshäftlingen sowie mehren Abteilungen des Regelvollzuges. Derzeit befinden sich ca. 560 Gefangene in der Haftanstalt. Der Ausländeranteil ist hoch und umfasst mehr als 40 Nationalitäten. Bei den Gefangenen handelt es sich überwiegend um Erstverbüsser. In der Neumünsteraner Anstalt sind seit langem ausbildungs- und berufsfördernde Maßnahmen mit zahlreichen intramuralen Betrieben etabliert.
Zur Psychotherapie steht ein Kontingent von derzeit 170 Behandlungsstunden pro Monat zur Verfügung. Die Psychotherapie findet nach dem externen Modus statt, d.h. vollzugliche und therapeutische Bereiche bleiben vollkommen getrennt. Der Schutz der Therapieinhalte durch die Schweigepflicht ist nach Absprache mit der Anstaltsleitung - trotz der neu geschaffenen sogenannten Offenbarungspflicht für intramural tätige Therapeuten - vollends gewährleistet. Es werden explizit keine vollzuglich relevanten gutachterlichen Einschätzungen durch behandelnde Therapeuten getroffen.
Therapiekonzept
Entsprechend den internationalen Erkenntnissen der Kriminaltherapie ist ein strukturiertes, integrativ-verhaltentherapeutisches Therapieprogramm mit psychodynamischen, kognitiven und gesprächstherapeutischen Elementen etabliert worden. Neben der einzeltherapeuthischen Behandlung stehen modular aufgebaute Gruppenformate zur Verfügung.
Gefangene, die an einer Psychotherapie interessiert sind, müssen selbst eine Teilnahme daran beantragen und als zunächst einzige Grundvoraussetzung ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache besitzen. Es finden ca. 5 Eingangssitzungen statt, die dazu dienen, den Therapiebedarf, die Therapiefähigkeit und die Therapiemotivation zu erkennen, indem mit standardisierten klinischen Instrumenten und strukturierten Prognoseverfahren Störungs-, Riskio - und Motivationsprofile erarbeitet werden. In der nachfolgenden therapievorbereitenden Phase wird angestrebt, mit Elementen des motivational interviewing eine eigenmotivierte Teilnahme- und Veränderungsbereitschaft zu erreichen.
Im Hauptteil der systematischen Therapie steht inzwischen ein differenziertes Gruppenangebot zur Verfügung, nämlich
- eine Basis-Gruppe Anti-Gewalt zum Aufbau von Problembewusstsein und Veränderungshoffnung,
- eine Gruppe zum Thema Sucht und Gewalt,
- eine deliktorientierte Intensivgruppe mit Elementen der konfrontativen Pädagogik aus dem Anti-Aggressions-Training nach dem Hamelner Modell und
- eine Trainingsgruppe Anti-Gewalt zum Einüben gewaltfreier interpersonaler Strategien und anderer sozialer Kompetenzen.
Nach Abschluss der Gruppenphase kann in einzeltherapeuthischen Gesprächen eine vertiefende Bearbeitung individuleller Problembereiche und/oder Defizite erfolgen.
3. Wissenschaftliche Projekte
Die wissenschaftlichen Forschungsprojekte des Schwerpunktes Forensik können Sie auf den Forschungsseiten lesen.
4. Ausbildung und Lehre
Dr. Huchzermeier verfügt über die volle Weiterbildungsbefugnis (36 Monate) von Assistentinnen und Assistenten für den Schwerpunkt Forensische Psychiatrie.
Im Rahmen der Weiterbildung zum Arzt für Psychiatrie und Psychiatrie erhalten sämtliche Weiterbildungskandidaten der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in den klinikinternen Grund- und Aufbaucurricula eine theoretische Einführung in Grundbegriffe der forensischen Psychiatrie, in das Gutachtenwesen und in Rahmenbedingungen sowie grundlegende Prinzipien der Forensischen Psychotherapie. Darüber hinaus besteht für jeden Weiterbildungsassistenten Gelegenheit, fortlaufend unter Supervision eigenständig Gutachten zu erstellen.
Im Wintersemester findet regelmäßig die interdisziplinäre Vorlesung "Forensische Psychiatrie" für Juristen, Psychologen, Mediziner und interessierte Studenten anderer Fakultäten statt. Außer der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Dr. Huchzermeier) zeichnen maßgeblich die Kinder- und Jugendpsychiatrie (PD Dr. Hinrichs, Prof. Schütze) und die Rechtsmedizin (Prof. Dr. Kaatsch) verantwortlich. Ergänzend beteiligt sich die Rechtspsychologie (Prof. Köhnken).




